Supply Chain im Einzelhandel: Wissen Sie wirklich, was in Ihren Regalen steht?

Christian Floerkemeier, Vice President Product, CTO und Mitbegründer von Scandit, zeigt, was stationäre Einzelhändler bei ihrem Supply Chain Management beachten sollten, warum digitale Technologien manuelle Prozesse übertreffen und wie das Scanning mit einem Smartphone unterstützen kann.

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf die Supply Chain ausgewirkt?

Gerade bei den Lieferketten im Lebensmitteleinzelhandel gab es die größten Veränderungen. Wir sehen einen starken Anstieg beim Online-Einkauf von Lebensmitteln.

Als Beispiel ist hier Instacart zu nennen. Sie bieten in den Vereinigten Staaten und Kanada einen Liefer- und Abholservice für Lebensmittel an, der sich als beliebter denn je erweist.

Kunden besuchen die offizielle Website des Unternehmens – Instacart bietet eine große Auswahl an Produkten von mehreren Einzelhändlern – um einzukaufen und eine Bestellung aufzugeben. Ein Instacart-Shopper kümmert sich anschließend um die Bestellung, holt die Artikel im Geschäft ab und liefert die Lebensmittel an den Kunden.

Als Resultat verzeichnete Instacart während der ersten Corona-Welle einen phänomenalen Anstieg des Auftragsvolumens. Das Unternehmen stellte während des Höhepunkts der Pandemie über 300.000 Full-Service-Shopper ein, um die steigende Nachfrage zu bedienen. Diese Statistiken zeigen, wie sich die Trends bei der Supply Chain und im E-Commerce in Bezug auf den stationären Einzelhandel schon verändert haben und sich weiter verändern werden.

Ein weiterer Trend, der die Supply Chain beeinflusst: Corona hat dem kontaktlosen Einkaufen und dem mobilen Self-Scanning einen zusätzlichen Auftrieb gegeben. In den meisten Jahren können Einzelhändler in der Regel mit einer jährlichen Wachstumsrate von fünf bis zehn Prozent rechnen. Allerdings haben sich die Transaktionen im März und April bereits teilweise verdoppelt.

Warum werden Transparenz in Echtzeit und die Rückverfolgbarkeit der Supply Chain immer wichtiger?

Der stationäre Einzelhandel ist gezwungen, mit Internet-Giganten wie Amazon oder Zalando zu konkurrieren. Gerade bei diesen beiden Unternehmen haben Kunden Zugang zu Informationen über Produktauswahl, Verfügbarkeit und Lieferbedingungen.

Das wiederum verstärkt ihre Erwartungshaltung, wenn es um alle anderen Einzelhandelsbereiche geht. Wenn bestimmte Produkte abends im Laden nicht mehr erhältlich sind, können Kunden sie direkt in einem Online-Marketplace abgleichen. Denn sie wissen, dass die Produkte dort nicht ausverkauft sind.

Das ist ein Bereich, in dem der stationäre Handel mit der Konkurrenz mithalten und sich der Herausforderung stellen müssen.

Wie kann der stationäre Handel ihren Supply-Chain-Prozess optimieren?

Viele Einzelhändler verlassen sich heute auf die Kommissionierung im Geschäft, das geschieht in der Regel traditionell ohne technische Unterstützung. Hier können durchaus Fehler passieren, denn manuelle Prozesse sind ein schwaches Glied in der Lieferkette.

Der Schlüssel zu einem effektiven Supply-Chain-Management ist, dass die Händler zum einen wissen, was in den Geschäften verkauft wird, und zum anderen die Produktverfügbarkeit im Regal sicherstellen. Hier gibt es jedoch ein Problem: Einzelhändler wissen oft nicht, was sich in ihrem Bestand befindet, da ihre IT-Systeme nicht zwischen der Verkaufsfläche und dem Lager unterscheiden.

Daher wissen die Einzelhändler nicht, ob ein Produkt physisch im Regal steht oder ob es im Lager noch ausgepackt werden muss. Ein weiterer Nachteil ist der erforderliche Mehraufwand. Die Einzelhändler könnten die Preisschilder einmal im Monat überprüfen. Doch selbst wenn man einmal am Tag den Bestand im Regal kontrolliert, reicht das nicht aus. Die Einzelhändler müssen das im Auge behalten und ein angemessenes Bestandsmanagement durchführen, um so die Kundenzufriedenheit sicherzustellen. Der Einsatz von Smartphones mit mobilen Anwendungen für Mitarbeiter im Einzelhandel ist eine Möglichkeit, die Workflows bei der Regal- und Bestandsverwaltung zu optimieren:

Kundenzufriedenheit hat absolute Priorität – besonders wenn es um die Gestaltung der Supply Chain geht. Aber auch die Mitarbeiter spielen eine wichtige Rolle

Mitarbeiter werden im Prinzip als der wichtigste Teil der Supply Chain gesehen.

Warum das so ist, zeigt ein französischer Einzelhändler. Er trackte, wie viele Schritte die Mitarbeiter jeden Tag machten. Es stellte sich heraus, dass sie etwa 15.000 Schritten gingen.

Ein Grund für die vielen zurückgelegten Kilometer ist, dass der Mitarbeiter, sobald ein Kunde eine Frage hat, zum Regal geht und sich die Produktnummer aufschreibt. Dann läuft er durch den Laden ins Backoffice, um dort nachzufragen und die Bestände zu durchsuchen, anschließend kehrt er zum Kunden zurück. Während dieser Zeit muss der Kunde warten. Das ist für beide Parteien frustrierend.

Digitale Transformation beginnt bei den Mitarbeitern

Ein mobiler Inventar-Scanner reicht oft nicht aus. Das Gerät ist unhandlich, stammt oft aus einem gemeinsamen Gerätepool und dient nur einem Zweck. Wenn Mitarbeiter mit individuellen Smartphones – entweder persönliche oder vom Unternehmen zur Verfügung gestellte Devices – ausgestattet werden, können sie diese für das Erfassen von Barcodes verwendet werden und bekommen so Zugriff auf Bestands- und Supply-Chain-Daten.

Einzelhändler stellen so ihren Kunden zuverlässige Daten zur Verfügung, Mitarbeiter können sie bei der Bestandsverwaltung unterstützen, beispielsweise durch die Korrektur von Preisschildern. Ohne den Einsatz von Smartphone-basierten Augmented-Reality-Lösungen ist das ein langwieriger manueller Prozess.

Eine Möglichkeit, Prozesse zu vereinfachen, ist die Verifizierung von Etiketten mit Hilfe von Computer Vision. Das bedeutet: Sie richten das Smartphone auf das Regal, die Smartphone-Software erfasst den Barcode und erkennt automatisch den Preis.

Ein Augmented-Reality-Overlay zeigt an, ob der Preis richtig oder falsch ist. Ist Letzteres der Fall, kann der Mitarbeiter mit Hilfe eines Druckers am Gürtel sofort ein Etikett mit dem korrekten Preis ausdrucken und das Preisschild ersetzen. Dieses Verfahren ermöglicht es den Mitarbeitern auch, Artikel gleichzeitig nachzubestellen.

Sehen Sie es in Aktion:

Aber kommen wir nochmals auf das Self-Scanning zurück: Auch Mitarbeiter spielen in diesem Umfeld eine wichtige Rolle. Mitarbeiter müssen die Vorteile eines Self-Checkout-Prozesses verstehen. Sie sind ja diejenigen, die auf der Verkaufsfläche im Einzelhandel mit dem Kunden interagieren und ihn beraten.

Deshalb ist es wichtig, Mitarbeiter in alle technologischen Veränderungen einzubeziehen, auch wenn diese Veränderungen – auf den ersten Blick – sich nur auf den Kunden fokussieren.

Wie hat sich das Supply-Chain-Management in den letzten 15 Jahren verändert?

Einige Bereiche haben sich seit der Markteinführung mobiler Datenerfassungsgeräte (MDC) vor 30 Jahren nicht bedeutend verändert.

Aufgrund ihres beträchtlichen Gewichts werden sie meist für gezielte Aufgaben eingesetzt. Doch selbst in Zeiten von Corona teilen sich noch immer mehrere Mitarbeiter die Geräte, deren Kernfunktionalität sich in all den Jahren eigentlich nur wenig verbessert hat.

Im Gegensatz dazu können handelsübliche Smartphones mit modernen Softwarelösungen gleichzeitig zehn bis 15 Barcodes erfassen. Sie können zudem mit Augmented Reality effektiver arbeiten. Heatmaps in den Regalen können zum Beispiel das Verkaufsvolumina aufzeigen sowie beliebte und meistverkaufte Produkte identifizieren.

Neue Softwarelösungen optimieren auch die Eingangslogistik. Mit ihnen können alle Codes auf einer Palette auf einmal gescannt werden, anstatt jede einzelne Logistikeinheit erfassen zu müssen. Diese Prozesse werden in Zukunft selbstverständlich sein.

Einzelhandelsprozesse mit Smartphone-Scanning überdenken und optimieren

Erfahren Sie in unserem Best-Practice-Guide, warum Smartphones bei der Digitalen Transformation im Einzelhandel unterstützen können und warum diese Technologie für unter Druck stehende Einzelhändler besonders geeignet ist.